Was ist Lichtplanung?

Was ist Lichtplanung?

(gekürzter Auszug aus dem Buch “Jeder Mensch hat das Recht auf gutes Licht” von Frank Nowicki)

Eine Alternative zum Norm-Mindeststandard

Wer beruflich mit Licht zu tun hat, kennt eine ganze Reihe von Normen. Für viele Menschen relevant: DIN EN 12193 für Sportstätten. Sie regelt, dass alle im Stadion gut sehen müssen, nicht geblendet werden dürfen und eine Fernsehübertragung möglich ist. Bei vielen Normierungsprozessen – so auch beim Einsatz von Tageslicht und Kunstlicht – wird eine Mindestanforderung formuliert. Besser geht immer, zumal dann, wenn es um Licht geht. Wer für die Lichtanlage zu Hause, in öffentlichen Gebäuden oder Büros einen Elektroplaner anstellt, wird mit seinem Bauprojekt einen Mindeststandard erfüllen können: Der Elektroplaner entwirft ein rein funktionales Konzept, achtet darauf, dass die geltenden (DIN-)Normen eingehalten werden. Er sorgt für eine energieeffiziente und sichere Elektroinstallation, schließlich betrachtet er Gebäude auf elektrotechnische Weise.

Über den Mindeststandard hinaus

Ich als Betrachter des Lichts bin der Überzeugung, dass hier mehr herauszuholen ist als der Mindeststandard und wir eine komplementäre Betrachtung benötigen, um das Potenzial von Licht auszuschöpfen. Unser Lichtplanungsteam ergänzt die technische Seite durch Fragen der biologischen, psychologischen und emotionalen Lichtwirkung. Die Erfahrung hat gezeigt, das dabei die minimale Norm weit überschritten werden muss, um den Anforderungen der Bauherren und Baunutzer gerecht zu werden.

Worauf kommt es an bei gutem Licht?

Für die Menschen ist die Anlehnung an den Tagesrhythmus von herausragender Bedeutung. Wer die Tagesgestaltung mit einbezieht, plant nicht nur energetisch und funktional, sondern stärkt auch die Tagesstruktur. Der Effekt: Licht fördert Wohlbefinden, kann aktivierend und belebend sein, oder beruhigen und den Organismus herunterfahren lassen. Bei der Tageslichtplanung gehe ich selbst immer vom Tageslicht aus: Wie wird das Licht in die Räume geleitet? Wo kann Kunstlicht eingesetzt werden, um die Bewohner mit ausreichend Licht zu versorgen? Viele dieser Arbeitsschritte können nur ansatzweise standardisiert werden. Ich empfehle jedem, der nach gutem Licht sucht, für sich selbst zu formulieren, auf was es ihm ankommt:

  • Welche Arbeit wird in dem Gebäude geleistet und zu welcher Tageszeit?
  • Welche Technik setze ich dort ein?
  • Wie ist der Raum beschaffen und wird sich in absehbarer Zeit verändern?
  • Gibt es feste Arbeitsplätze oder ist der Raum dynamisch angelegt?

Das Rezept für gutes Licht

Es gibt ein einfaches Rezept, um an gutes Licht zu kommen. Licht und Helligkeit sind nur im Zusammenspiel mit den Menschen und ihrer Lebens- und Arbeitswelt sinnvoll. Deswegen steht der Mensch bei einer zeitgemäßen Lichtplanung immer im Zentrum. Wenn es uns gelingt, für persönliche Anforderungen eine eigene Lichtwelt zu erschaffen, nenne ich das Licht in Vollendung!
Welchen übergeordneten Maßstab setzen wir dann für gutes Licht an? Nicht nur ich, sondern auch andere Unternehmen wünschen sich ein Gütesiegel, auf das sich Menschen verlassen können. Die Struktur eines solchen Siegels wäre zu erarbeiten und müsste auf den Schultern der aktuellen Entwicklung stehen. Für viele Unternehmen, Büros, Hotels, Tagesstätten, Schulen oder Pflegeeinrichtungen wäre es ein wahrer Gewinn, wenn man die Menschen auf die gute Lichtqualität gesondert aufmerksam machen könnte. Überall dort, wo noch kein Tag-Nacht-Rhythmus berücksichtigt wird, könnte man diesen Schritt auf eine neue Qualitätsstufe mit einem Gütesiegel leichter kommunizieren.

Ein Gütesiegel mit Qualitätsversprechen

Wie überall, wenn Qualitätserwartungen wachsen, kann ein Konzept für gutes Licht nur gelingen, wenn Produzenten und Verbraucher an einem Strang ziehen. Die positive Wirkung von Licht spricht für sich und braucht keine politische Lobby. Wir haben es in vielen Branchen erlebt, welche Effekte ein kommuniziertes Gütesiegel haben kann. Bei Kinderspielzeug (z.B. spiel gut e.V.) oder in der biodynamischen Landwirtschaft (z.B. Bioland) strahlen solche Siegel ein hohes Maß an Verlässlichkeit und Verbindlichkeit aus. Und darum geht es auch bei gutem Licht. Der Einsatz und das Zusammenspiel von Tages- und Kunstlicht unter Berücksichtigung aller Ansprüche und Möglichkeiten ist kaum zu überblicken, sofern man sich nicht intensiv mit diesem Thema beschäftigt hat. So kann ein Gütesiegel für gutes Licht weit über den DIN-Mindeststandard hinaus allen Menschen helfen, ein intuitives Gespür dafür zu bekommen, was der eigenen Gesundheit und dem Wohlbefinden guttut.

Gutes Licht in Pflegeheimen: Interview mit medAmbiente care

Gutes Licht in Pflegeheimen: Interview mit medAmbiente care

Das Potential guten Lichts für qualitätsvolles Leben in Pflegeheimen

Im Gespräch mit Matthias Eberl von medAmbiente care unterhält sich unser Lichtplaner Frank Nowicki über zentrale Konzepte der professionellen Lichtplanung in Pflegeeinrichtungen. Denn um einen qualitativ hochwertigen Aufenthalt zu gewährleisten, muss die Architektur um geeignete Kunstlichtkonzepte ergänzt werden. Zudem wird im Interview die Bedeutung des circadianen Rhythmus thematisiert. Wie sollte sich die Beleuchtung zwischen Tag und Nacht unterscheiden? Und weshalb ist gutes Licht auch besonders für Demenzkranke und Pflegekräfte relevant?


Ausgewogenes Licht – nicht nur für Bewohner

Frank Nowicki erklärt, dass in vielen Einrichtungen tagsüber zu wenig und nachts zu viel Licht herrsche. Stattdessen sollte nachts eine geringere Farbtemperatur und Lichtleistung gewählt werden. Dies erleichtert besonders in den Demenzbereichen ein besseres Durchschlafen und zur Ruhe kommen. Tagsüber hingegen wird mehr Licht benötigt, um die Aktivität und Aufnahmefähigkeit der Bewohner zu verbessern. Ein solches Licht in Pflegeheimen holt die Bewohner nicht nur aus dem Dämmerschlaf, der durch zu wenig Licht entsteht. Auch das Pflegepersonal profitiert, denn es wird durch diese Form der Lichtplanung enorm entlastet. Weitere Details zur professionellen Lichtplanung im Gesundheitswesen können Sie im kompletten Interview mit medAmbiente care nachlesen.


Fachwissen aus dem stationären Gesundheitswesen

medAmbiente care richtet sich an Entscheider und verantwortliche Experten in Pflegeeinrichtungen sowie an deren Planer und Architekten. Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich und ist Teil der Fachzeitung Management & Krankenhaus. Sowohl im Online-B2B-Zielgruppenportal als auch im Rahmen einer Print-Ausgabe berichtet die Zeitung über aktuelle und relevante Themen aus dem Gesundheitswesen. Neben Gesundheitspolitik, Medizin und Hygiene zählen hierzu auch das Einrichten und Versorgen von Bewohnern stationärer Einrichtungen.

Licht, Leuchte oder Lampe?

Licht, Leuchte oder Lampe?

(gekürzter Auszug aus dem Buch “Jeder Mensch hat das Recht auf gutes Licht” von Frank Nowicki)

Das größte Missverständnis im Alltag

Es gibt Missverständnisse und Irrtümer, die wir einfach nicht loswerden. In meinem Alltag kämpfe ich besonders mit einem Missverständnis – Licht, Leuchte und Lampe werden gleichgesetzt. Eigentlich ist die Unterscheidung ziemlich einfach: Die Leuchte ist das Gerät, die Decken-, Steh- oder Pendelleuchte. Die Lampe ist ein Leuchtmittel wie die Glühlampe oder LED. Und das Licht? Da fangen die Probleme an! Zu oft setzt man Leuchte und Licht in eins. Dabei suchen viele Menschen Licht für ihre Räume und eben keine Leuchte.


Licht wirkt am besten, wenn es nicht bewusst wird

Die Sonne als älteste Lichtquelle der Welt steht immer an unserem Wahrnehmungshorizont. Kein Wunder also, dass viele Menschen statt nach Helligkeit nur nach Leuchten fragen. Instinktiv suchen auch sie nach einem Lichtkonzept, das ihren Ansprüchen genügt. Aber verkauft bekommen sie, wie gesagt, ein leuchtendes Möbel. Dabei ist es doch nicht das Licht, das leuchtet, sondern all die Gegenstände auf die es trifft.

Denn die Leuchte ist und bleibt ein Möbel. Natürlich spendet sie Licht und kann ganze Räume illuminieren, aber ihr Job ist in erster Linie, ein Akzent zu setzen und Akzent zu sein. Licht ist nicht gleich Lichtquelle, auch wenn das häufig so scheint. Für Licht brauchen wir keinen sichtbaren Ursprung, das ist ja auch beim Tageslicht so. Für Kunstlicht zählt die Faustregel: Es wirkt dann am besten, wenn es nicht bewusst wird.


Das beste Licht durch ganzheitliche Betrachtung

Die beste Wirkung erhält der, der Licht ganzheitlich betrachtet, plant und auf den Raum und seine Bedürfnisse abstimmt. Wer nicht die eigenen Ansprüche im Blick hat, kann einfach nicht das richtige Modell auswählen. Zu häufig bräuchten wir erst einen Referenzrahmen, um bestimmten zu können, was wir suchen. Und häufig greifen wir dann doch nach dem schönsten Objekt und nicht nach der Lösung unseres Beleuchtungsproblems.

Wer Licht braucht, kauft sich eine Leuchte – das wird sich so schnell nicht ändern und ist auch verständlich. Im professionellen Bau ist man sich über dieses Missverständnis häufiger bewusst als in Privathaushalten. Hand aufs Herz: Wir gehen ins Lichtstudio oder in den Baumarkt und wählen eine Leuchte nach ihrem Design aus. Die ungefähren Produktdaten nehmen wir natürlich zur Kenntnis. Aber viele Menschen verzichten sogar auf die notwendige Leistung, richtige Farbtemperatur, Abstrahlcharakteristik und, und, und – nur um eine bestimmte Leuchte an der Decke hängen zu haben. Wer berücksichtigt die Oberflächentönung im Zimmer? Wer fragt danach, zu welchen Tageszeiten der Raum hauptsächlich genutzt wird und welches Licht zu diesen körperlichen Ansprüchen passt? Wir sollten nicht nach einem bestimmten Leuchtendesign fragen, sondern nach Lichtdesign.


Faustregel: Die Leuchte kommt zuletzt

Viele meiner Kunden sind überrascht, wenn ich Ihnen sage: Erst wenn wir genug Licht im Raum haben und wir ihn mit dem versorgt haben, was er wirklich braucht, dann machen wir uns Gedanken um das Leuchtmöbel. Ich arbeite am liebsten mit raumneutraler Beleuchtung, die den Raum erhellt, ohne ihn zu gestalten. Ihre Wirkung liegt in der Funktion und darin, dass sie sich zurückhält. Dann haben wir die Grundlage und Freiheit geschaffen, uns Design, Geschmacksakzente und das Schöne im Raum zu konzentrieren.

Ein immer wiederkehrender Effekt ist dabei der: Wer gutes Licht hat und das erst Mal in seinen eigenen vier Wänden wahrnimmt, der will zuletzt gar keine Leuchte mehr an der Decke oder gerade dieses eine besondere Stück. Der Raum leuchtet aus sich heraus. Schönheit und Brillanz, die aus sich selbst heraus strahlt und nicht von Accessoires herrührt. Ist das nicht wünschenswert?

Interview mit der ahgz und Buchbesprechung im md-mag

Interview mit der ahgz und Buchbesprechung im md-mag

Lichtplanung in Gastronomie und Restaurant

Bei der Gestaltung von Hotels oder Gastronomien sollte eine professionelle Lichtplanung stets mitgedacht werden. Das hat auch das Allgemeine Hotel- und Gastronomie Magazin erkannt und unseren Lichtplaner Frank Nowicki zur Wirkung und Gestaltung der Beleuchtung in solchen Betrieben interviewt. Seit vielen Jahren vermittelt die ahgz als wichtiges Fachmedium der Gastronomie- und Hotelleriebranche Wissenswertes und relevante Neuigkeiten rund um die Branche. Und auch das Interview mit Frank Nowicki reiht sich in die interessanten Veröffentlichungen des Magazins ein.


“Wir bewerten Licht zu häufig nach äußerlichen Gesichtspunkten”

Frank Nowicki ist sich sicher: Wir können unsere Lebensqualität enorm verbessern, wenn wir neben Faktoren wie der Farbtemperatur oder der ästhetischen Beleuchtung von Architektur weitere Aspekte berücksichtigen würden. Denn Licht kann genutzt werden, um eine Wirkung auf unser Inneres zu erzielen. So sorgt ein geeignetes Beleuchtungskonzept in Hotels und Restaurants für eine maximale Aufenthaltsqualität. Dabei unterscheiden sich die Anforderungen an die Lichtplanung je nach Nutzungsart der Räumlichkeiten. In der Lobby oder in Konferenzräumen ist ein helles, gutes Licht beispielsweise unabdingbar. Doch im Wellnessbereich gelten ganz andere Anforderungen: Durch indirektes, blendfreies Licht sollte hier Gemütlichkeit erzeugt werden.


Positive Rezension des md-mag

Im Buch “Jeder Mensch hat das Recht auf gutes Licht” von Frank Nowicki findet sich ebenfalls ein spannendes Kapitel zum Thema Hotel- und Gastronomiebeleuchtung. Das md-mag beschreibt die Veröffentlichung unseres Lichtplaners als “informative und unterhaltsame Spurensuche”. Als internationale Plattform für hochwertige Innenarchitektur und Objektdesign richtet sich das Magazin vorwiegend an Architekten, Designer und Einrichtungsplaner. Dass sich ein bewusster Umgang mit Licht positiv auf unseren Tagesrhythmus, unsere Effizienz und unsere Gesundheit auswirken kann, findet auch das Innenarchitektur-Magazin wichtig und veröffentlichte eine positive Buchbesprechung auf ihrer Webseite.


Weitere Infos zur professionellen Lichtplanung

Sie sind neugierig geworden und möchten mehr zum Thema Restaurant- und Gastronomiebeleuchtung erfahren? Sehen Sie sich gerne im Bereich “Lichtanwendungen” auf unserer Webseite um, oder lesen Sie weitere Informationen im Buch “Jeder Mensch hat das Recht auf gutes Licht” nach.

Stadtbeleuchtung – Leben ohne Sternenhimmel

Stadtbeleuchtung – Leben ohne Sternenhimmel

(gekürzter Auszug aus dem Buch “Jeder Mensch hat das Recht auf gutes Licht” von Frank Nowicki)

Über den verantwortungsvollen Umgang mit Beleuchtung im öffentlichen Raum

Einmal im Jahr zieht es mich ins Nirgendwo, in die arabische Welt oder auf eine Südseeinsel. Denn immer, wenn ich mich in abgelegenen Landstrichen aufhalte, dann nehme ich etwas wahr, was ich in meinem Alltag in den eng besiedelten Großstädten Europas vermisse – den leuchtenden Sternenhimmel. Je dunkler der Himmel ist, umso mehr Sterne können wir beobachten. Aber es gibt Nächte in Berlin, New York oder Tokyo, da können wir aufgrund der Beleuchtung keinen einzigen Stern am Himmel sehen.

Dabei führt uns die Dunkelheit die natürliche Schönheit unseres Himmels vor Augen. Erst wenn man sich die echte Dunkelheit und die Sicht zu den Sternen zurückgeholt hat, fällt einem auf, dass im Alltag etwas fehlt. Die Dunkelheit ist genauso wichtig wie die Helligkeit, die Wertschätzung für das eine gibt es nicht ohne das andere. Mehr noch: Wenn eine Seite unserer Welt fehlt, macht uns das auf Dauer krank. Der Verlust der Sterne in unserem Alltag hat gravierende Folgen.


Light Pollution

Seit den Neunzigerjahren spricht man von Light Pollution – Lichtverschmutzung. Die Ursache liegt auf der Hand: Die Lichtemission in unseren Großstädten ist so massiv, dass sich wahre Glocken aus Licht über ihnen bilden. Von Umweltverschmutzung spricht hier zwar kaum jemand, aber genau darum geht es. Und wie so oft bei ist nicht nur unsere Umwelt davon betroffen, sondern auch der Mensch selbst.

Den größten Negativeinfluss hat die Lichtimmission auf unseren zirkadianen Rhythmus, auf unseren eingespeicherten Tag-Nacht-Zyklus. Davon können Menschen ein Lied singen, die eine dauergeschaltete Straßenlaterne direkt vor dem Schlafzimmerfenster haben. Während wir uns aber im Normalfall durch Jalousien dagegen abschirmen können, ist die Stadtfauna der Lichtverschmutzung radikal ausgesetzt. Heute ist unter Insekten ein wahres Massensterben zu beobachten. Viele Insektenarten sind in den Städten komplett ausgestorben.


Stadtbeleuchtung zum Wohl der Insekten

Verantwortungsvolle Beleuchtung in Städten wird zunehmend systemrelevant. Die starke Lobbyarbeit für Insekten, vor allem für Bienen und Hummeln, könnte eine Chance sein, unsere Stadtbeleuchtung zu optimieren. Die Technik dafür ist längst gegeben, denn ansteuerbare und in ihrem Lichtgrad flexible Komponenten können bei sinnvollem Einsatz für eine artgerechte Beleuchtung sorgen. Auch bei noch funktionsfähiger Stadtbeleuchtung ist also schnelle Reaktion gefragt. Obwohl die Überarbeitung mehrerer Tausend Lichtpunkte eine Investition für Städte und Kommunen bedeutet, ist diese im Verhältnis dazu gering, was es bedeuten würde, die Folgekosten für Natur und Mensch zu tragen.

Die Straßenbeleuchtung ist natürlich notwendig, da eine Stadt auch für die Sicherheit ihrer Bürger verantwortlich ist. Doch häufig werden zu gewissen Zeiten komplett ungenutzte Gehwege durchgehend beleuchtet. Immerhin hat sich hier die nach oben abgeschirmte Beleuchtung weitestgehend durchgesetzt; Modelle, die Licht nicht unnötig in Richtung Himmel ausstrahlen – anders als bei Denkmälern.


Green Branding

Beschließt eine Stadt, wichtige Wahrzeichen für die kommunale Identität und für den Tourismus zu beleuchten, hat dies sicher seine Berechtigung. Häufig hat sich hier die Beleuchtung von unten durchgesetzt. Dadurch hat man eine große Streuwirkung, was zweifellos für eine gewisse leuchtende Aura sorgt, aber eben die höchste Lichtimmission aufweist. Der öffentliche Entscheider muss hier abwägen, was wichtiger ist: ein adäquateres und umweltverträgliches Modell oder die Präsenz der städtischen Symbole?

Anders verhält es sich bei Ladengeschäften oder Industriebauten. Aus Erfahrung und Tradition war man immer daran interessiert, für größtmögliche Wahrnehmung der jeweiligen Marke zu sorgen. Grelle Beleuchtungsgrade, die die ganze Nacht weißes Morgenlicht verbreiten, sorgen etwa dafür, dass die Filialen der Bettbranche einen sicheren Wiedererkennungswert besitzen. Licht bedeutet Macht. So einfach war das.

Gelungene Imagearbeit sieht heute aber viel differenzierter aus. Green Branding heißt hier ein zentrales Schlagwort. Wer verantwortungsbewusst produziert, zu fairen Konditionen handelt oder werteorientiert auftreten will, der muss dafür auch eine geeignete Lichtinszenierung wählen. Gutes Licht ist hier die Chance, Botschaften zu transportieren, die in das Unternehmensimage einzahlen.


Rücksichtsvolle Beleuchtung als Teil des Markenkerns

Ebenso wie bei den Denkmälern heißt das nicht, dass man alle Lichter ausschalten sollte. Wer etwa eine vernünftige Zeittaktung einführt, der macht die unmittelbaren Beobachter eben darin auf die Marke aufmerksam, dass sie immer um 22.30 Uhr abgeschaltet wird. Schon so spät? Man kann solche Maßnahmen ganz ausdrücklich für die externe Kommunikation nutzen. Die Resonanz wird sicher stärker sein als ein Durchleuchten bis 6 Uhr morgens. Wenn alle schlafen, sieht es eh niemand.

Ähnlich verhält es sich auch mit der dezenten Fassadenbeleuchtung, die nach unten abstrahlt. So können ganz neue architektonische Akzente gesetzt und auf das Wesentliche aufmerksam gemacht werden. Statt wilder Streuwirkung, die das Potenzial von Lichtwerbung unnötig am Himmel verpuffen lässt. Emittierendes Licht sollte mehrere Vorzüge haben – für die Marke und für den Menschen. Auch die Ästhetik profitiert davon, wenn Licht funktional eingesetzt wird, denn damit setzt man einen sozialen Gedanken ins Zentrum der Arbeit. Das sollte uns im öffentlichen Raum immer vor Augen sein: Wenn Licht Macht bedeutet, sollten wir es für alle nutzen!

Frank Nowicki im Podcast mit luxlumina-LichtArchitektur

Frank Nowicki im Podcast mit luxlumina-LichtArchitektur

Umfangreiche Buchbesprechung

Im Podcast mit dem eMagazin luxlumina-LichtArchitektur bespricht der Chefredakteur Sven Horsmann mit dem Lichtplaner Frank Nowicki zahlreiche Themen aus seinem Buch “Jeder Mensch hat das Recht auf gutes Licht” in der Tiefe. Wie sollte die richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz ausgestaltet sein? Wie lässt sich gutes und gesundes Kunstlicht definieren? Und warum sollten die aktuell geltenden Normen und Parameter für Kunstlicht mit Blick auf das Wohlbefinden des Menschen angepasst werden? luxlumina schreibt: “Mit dem Buch ‘Jeder Mensch hat das Recht auf gutes Licht’ hat Frank Nowicki ins Schwarze getroffen.” Werfen Sie einen Blick in die Leseprobe des Buchs!


Ein Gütesiegel für Kunstlicht

Aktuell trennen uns noch einige Herausforderungen von gutem Licht, sagt Frank Nowicki. Deshalb fordert der Lichtplaner ein Gütesiegel für eben dieses gute Licht. Dieses sollte für eine Lichtqualität stehen, die vielerlei positive Effekte für den privaten Alltag und im Büro mit sich bringt. Demnach sollte eine professionelle Lichtplanung das Wohlbefinden und die Gesundheit ins Zentrum der Überlegungen stellen. Dadurch erhalten nicht nur die in einem Gebäude lebenden und arbeitenden Personen ein Mehrwert, sondern auch Bauherren und (Mit-)Entscheider profitieren von ihrer höheren Zufriedenheit. Das komplette Interview mit Lichtplaner Frank Nowicki können Sie im untenstehenden YouTube Video ansehen.


eMagazin für professionelle Lichtplanung

Mit dem B2B-Magazin luxlumina-LichtArchitektur veröffentlicht der Schweizer luxlumina Verlag monatlich spannende und informative Artikel rund um das Thema Lichtarchitektur. Die Inhalte richten sich an Architekten und (Licht-)Designer aus der Architektur- und Bau-Branche. Neben dem Magazin finden sich auf dessen Webseite zahlreiche zusätzliche Informationen zum Thema Lichtplanung und Interviews mit Experten und Expertinnen dieses Fachgebiets.


Light Hacks für deinen Alltag

Light Hacks für deinen Alltag

I

Fange wieder an, Bücher oder Zeitschriften vor dem Schlafengehen zu lesen! Mindestens eine Stunde vor dem Einschlafen solltest du den Bildschirm abschalten.

II

Lebe naturnah und passe deinen Lebensrhythmus an die Jahreszeit an! Im Winter wird es früher dunkel, im Sommer später. Das ist normal so!

III

Helles Licht ist morgens besser als eine Tasse Kaffee. Verzichte auf die Dämmerstunde; Gleich raus aus der Höhle und direkt ins helle Licht!

IV

Tageslicht tanken nicht vergessen! Nutze jede freie Minute für einen Gang ins Freie, das macht gesund und glücklich.

V

Trainiere deine Augenmuskulatur und Sehnerven, indem du zwischen dem nahen Sehen und in die Ferne schauen abwechselst.

VI

Schaffe deine Schreibtischlampe ab. Wenn du sie brauchst, stimmt etwas mit der Zimmerbeleuchtung nicht!

VII

Achte darauf, wenig kaltweißes Licht zu verwenden, damit bleiben deine Augen länger jung.

VIII

Wenn du in fremden Räumen bist, spüre nach, ob du das Licht angenehm oder unangenehm empfindest. So findest du Schritt für Schritt heraus, welches Licht dir guttut.

IX

Wenn du Kopfweh hast, weil du viel vor dem Bildschirm sitzt, schlucke nicht gleich Aspirin! Lass dir bei deinem Optiker mal eine Brille mit Blaulichtfilter zeigen!

X

Putze am Abend bei Kerzenlicht die Zähne! Damit bereitest du deinen Körper für den Schlaf vor. Er wird schneller kommen, tiefer und damit erholsamer sein.

Baunetz Wissen rezensiert Buch von Frank Nowicki

Baunetz Wissen rezensiert Buch von Frank Nowicki

Positive Rezension zu “Jeder Mensch hat das Recht auf gutes Licht”

Das Fachportal Baunetz Wissen, welches Ingenieuren und Architekten fundiertes Wissen rund um die Themen Bautechnik und Architektur bietet, veröffentlichte kürzlich eine positive Rezension zum Buch “Jeder Mensch hat das Recht auf gutes Licht”.
Dabei wird hervorgehoben, dass das Buch des Lichtplaners Frank Nowicki die Relevanz guten Lichts aus einer Alltagsperspektive betrachtet und durch teils persönliche Erzählungen näher beleuchtet wird. So konkludiert das Fachportal: Frank Nowicki “hat ein kurzweiliges Buch verfasst, dem man seine Erfahrungen aus der Praxis als Lichtplaner und Designer anmerkt.”


Faszination Licht

Im vergangenen Jahr veröffentlichte Frank Nowicki sein Buch “Jeder Mensch hat das Recht auf gutes Licht” im Eigenverlag. Auf 176 Seiten erklärt der Lichtplaner, warum Licht der einfachste Weg ist, die persönliche Lebensqualität spürbar zu erhöhen.
Sowohl in emotionalen Geschichten, als auch mit praktischen Licht-Tipps, die jedermann in seinem Alltag umsetzen kann, verknüpft Frank Nowicki professionelle Lichtplanung mit dem Alltag der Leserinnen und Leser. Denn Licht erhellt nicht nur unsere Innenräume, sondern kann sich auch positiv auf unseren Tagesrhythmus, Schlaf und unsere Produktivität auswirken. Werfen Sie einen Blick in unsere Leseprobe!


Fachportal für Architektur und Bautechnik

Die Webseite Baunetz Wissen bietet ein einzigartiges Fachportal mit weitreichendem Fachwissen für Architekten, Planer und Ingenieure. So finden sich dort Tipps, beispielhafte Bauwerke und fundiertes Fachwissen zu verschiedensten Bereichen und Themen der Architektur. Auch die Themen professionelle Lichtplanung, Beleuchtungskonzepte und Tageslichtplanung finden dort statt. Die komplette Rezension zu Frank Nowickis Buch ist auf der Webseite des Baunetz Wissen nachzulesen.

Wahre Lebensqualität – Gutes Licht in Pflegeheimen

Wahre Lebensqualität – Gutes Licht in Pflegeheimen


Gutes Licht in die Gebäude zu bringen: Die größte Motivation für mich ist die Tatsache, dass es Menschen gibt, die so gut wie nie draußen sind und sein können. Das sind vor allem Menschen in stationärer Pflege, ebenso wie die Intensivpflegekräfte, die sie betreuen. Gerade in größeren Einrichtungen und älteren Immobilien gibt es keine Architektur, die das Tageslicht mit maximaler Kraft ins Innere leitet. Und gerade in großen Einrichtungen bräuchte man optimale Lichtbedingungen – als Grundlage für eine hohe Lebensqualität. Schließlich liegt darin ja das Versprechen eines jeden Trägers.


Unser Auftrag: Außenbeleuchtung

Eine Geschichte wird mir so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen: Ich wurde von einem gehobenen Pflegestift beauftragt, eine weithin sichtbare Außenbeleuchtung zu entwerfen. Man legt in dieser privaten Einrichtung großen Wert auf ein werbliches Auftreten und ist bereit, sehr viel Geld und Ressourcen dafür zu investieren. Zurecht verspricht man sich davon, dass sich mehr Senioren und Familien mit einem Pflegefall für die Einrichtung entscheiden.

Als ich mit meinem Team die Fassade inspiziert hatte und auf dem Weg zur Geschäftsführung war, durchkreuzte ich das gesamte Gebäude. Nach zwei Minuten, die ich dort verbracht hatte, war mir eines klar: Man sollte lieber in die Innenbeleuchtung investieren. Die Menschen haben doch ein Recht auf gutes Licht, weniger die Architektur, die sie umgibt.


Die ewige Dämmerung im Pflegeheim

Natürlich entsprach die Beleuchtung im Pflegeheim, in den Fluren, Büros und Apartments, den gängigen Normen. Aber wie so häufig liegen die empfohlenen Mindestanforderungen nicht im Komfortbereich – ähnlich wie bei einem Schlafsack, der bei Minustemperaturen das Überleben garantiert, aber eben keinen gemütlichen Schlaf. Ich streifte dann noch ein bisschen durch die Gänge, um zu sehen, wie sich die Bewohner und Mitarbeiter hier bewegten. Nach einer halben Stunde fühlte ich es selbst in mir: Hier herrscht 24 Stunden Dämmerung.

Eine der anspruchsvollsten Herausforderungen in der Vollzeitpflege ist der soziale Mehrwert. Die Bewohner müssen nicht nur versorgt, medikamentiert und schlafengelegt werden. Das wäre trostlos. Wir erwarten vor allem auch, dass sie emotional gestärkt werden. Trotz Zeitdruck und Komplikationen soll das Personal immer auch für eine familienähnliche Stimmung sorgen, bei der man sich aufrichtig für den anderen interessiert, ihm Zeit und ein offenes Ohr schenkt.


Licht sorgt für einen ausgeglichenen Tag-Nacht-Rhythmus

Gerade deswegen ist Licht so wichtig. Zu einem guten Leben gehört der Rhythmus von Hell und Dunkel, von ausreichend Licht am Tag und einer – wenn auch künstlich erzeugten – Abendstimmung, die einen runterfahren lässt. Der Effekt liegt auf der Hand, auch wenn man ihn erfahren muss, um ihn wirklich wertzuschätzen: Ein Mensch, der mit gutem Licht lebt, ist tagsüber ausgeglichener, abends müde und schläft in der Nacht tief und fest. Für funktionierende Prozesse in Pflegeeinrichtungen mit ihren vielen medizinischen und sozialen Anforderungen ist gutes Licht ein wahres Erfolgsversprechen!

Wenn Angestellte für mehr Lebensqualität und gegen Lethargie in ihrer Einrichtung kämpfen, dann kann sie gutes Licht dabei unterstützen. Im Gegenzug kann die Unruhe in Einrichtungen häufig auch auf die Dämmerungsstimmung der Beleuchtung zurückgeführt werden. Ein durch richtig eingesetztes Licht resultierender Tag-Nacht-Rhythmus kann Ruhe und Erholung in den Alltag bringen. Wenn eine schlechte Atmosphäre herrscht, ist das Licht kein Symptom, sondern die Ursache. Licht beeinflusst unsere Wahrnehmung, unser Wohlbefinden, vor allem auch unsere physischen Abläufe. Manch einer wird jedoch einwenden: An vielen belastenden Situationen und Umständen kann auch gutes Licht nichts ändern. Oder doch?


Gutes Licht bedeutet Mehrwert

Wenn Mitarbeiter und Bewohner positiv eingestellt sind, mit mehr Energie durch den Tag gehen und in der Nacht ordentlich ruhen, dann hat das nachhaltig Auswirkungen auf den Arbeits- und Lebensalltag. Im Betriebsablauf treten weniger Störungen auf, das heißt: weniger Krankheitsfälle sind zu verzeichnen, ein größeres Arbeitspensum wird bei geringerer Belastung erreicht. Die Redensart behält in diesem Fall recht: Sehen wir die Welt unter einem anderen Licht! Positiver, intensiver, mit mehr Energie und Lebensfreude – dann wird es uns besser gehen!
Es gibt viele Baustellen in der Pflege. Aber dort, wo Investition möglich ist, kann man wohl mit Licht die größten Effekte erzielen – bei vergleichsweise niedrigem Einsatz. Optimal eingesetztes Licht sorgt also für einen ausgeglichenen Tag-Nacht-Rhythmus und daraus resultierend für mehr Lebensqualität.


Mit der Natur leben

Wenn Menschen nicht mehr die Möglichkeit haben, im Einklang mit natürlichem Licht zu leben und dazu noch einem schlechten Kunstlicht ausgeliefert sind, dann tragen wir auch eine besondere Verantwortung. Wir müssen uns der Vollendung, die uns die Natur vormacht, annähern. Ich habe es selbst erfahren, dass sich dadurch viele sozialen und pathologischen Probleme leichter angehen lassen.
Bei meinem Termin mit der Geschäftsführung der Pflegeeinrichtung haben wir offen über den Vorteil der Außenbeleuchtung gesprochen: mehr Sichtbarkeit, bessere und wortwörtliche Ausstrahlung nach außen, positive Resultate bei der Akquise von Bewohnern.


Die Licht-Story, von dem jedes Unternehmen profitiert

Dagegen habe ich der Geschäftsführung etwas Besseres zum Tausch angeboten, nämlich die Geschichte, die hinter all dem steckt, was ich gerade beschrieben haben. Eine Fassade ist hell oder eben nicht, eine Innenbeleuchtung kann in der Pflege ein Marketinganker werden. Niemand, der sie gehört hat, wird diese Unternehmensstory vergessen:

In unserem Pflegestift sind die Leute so ausgeglichen, weil es naturnah beleuchtet wird. Wir holen die Sonne ins Haus, einen natürlichen Tagesrhythmus mit ausreichend Lichtintensität und den natürlichen Farbverläufen. So kann sich die innere Uhr unserer Patienten nach dem zirkadianem Rhythmus einstellen. Das ist das Geheimnis unserer guten Atmosphäre. Wir schaffen damit – anders als andere Einrichtungen – die Grundlage für einen energievollen Tag und eine ruhige und erholsame Nacht. Anderswo gibt es 24 Stunden Dämmerung und die Patienten geistern teils lethargisch, teils rastlos durch die Gänge. Durch die Ausgeglichenheit unserer Patienten ist auch unser Pflegepersonal entlastet. Eine dreifache Win-Situation ist entstanden. Für die Heimbewohner, für das Personal und daraus resultierend für die Einrichtung. Wir sind froh, dass es uns gelungen ist, unseren Bewohner einen gesunden Rhythmus zu schenken, trotz der besonderen Situation, in der sie sich befinden. Das nennen wir einen wahren Platz an der Sonne!


Licht und Beleuchtung – ein Schlüsselerlebnis

Wer diese Story von sich erzählen kann, der kann auch Menschen von seiner Arbeit begeistern. Eine leuchtende Fassade zählt einfach viel weniger als das Glück der Bewohner, die dahinter wohnen. So ist es mir selbst gelungen, den Geschäftsführer für gutes Licht zu gewinnen. Tatsächlich hat die neue Beleuchtung im Pflegeheim nach kurzer Zeit als ein großes Pluszeichen für seine Einrichtung gegolten.

Es zeigt sich immer wieder: Kaum etwas auf der Welt wirkt intensiver, faszinierender und verborgener als gutes Licht. Wir müssen uns nur dafür entscheiden.

Die Faszination Licht – eine wahre Magie

Die Faszination Licht – eine wahre Magie

Wie Licht und Dunkel meine Welt geprägt hat

Dass Essen von der UNESCO als Kulturhauptstadt ausgezeichnet wurde und Pioniere der urbanen Kunst und des Designs ausgerechnet in den dortigen Industriebrachen ausstellen und arbeiten, ist sicher kein Zufall. Jeder Besucher wird fasziniert sein von dieser spezifischen Ästhetik, die sich dort von einer jüngst untergangenen Kultur erhalten hat. Heute ist es die zumeist zweckmäßige, inzwischen aber verfremdet genutzte Architektur, früher – als der Industriebau letztlich noch selbstverständlich war – waren wir alle eingenommen von der nicht nachahmbaren Lichtdramaturgie.


Grüße aus dem Ruhrgebiet

Keines der vielen Lichtfestivals und keine Spezialmesse wird uns noch einmal vor Augen führen können, was damals etwa in meiner Geburtsstadt Gladbeck zu sehen war. Ich lernte kaum vorstellbare Lichtextreme zwischen Helligkeit und einer tausend Meter tiefen Dunkelheit kennen – alles vom Menschen erzeugt. Sicher nicht, um uns mit einem ästhetischen Erlebnis zu bereichern, sondern aus industrieller Notwendigkeit. Aber es waren doch die zentralen Eindrücke, die ganze Generationen von Grubenkinder auf der Netzhaut geblieben sind.

Wer das alte Ruhrgebiet der Sechziger- und Siebzigerjahre selbst gesehen hat, dem brauche ich nicht viel erzählen. Aber die spektakulären Lichtinszenierungen, die sich dort abspielten, muss man heute neu bewerten: Vielleicht ist das Kunstlicht des Ruhrgebiets, auch wenn es Zufall sein mag, die vollkommene Lichtkunst gewesen – ganz sicher ist: Das Ruhrgebiet war ein wahrer Lichtmagier.

Licht macht den Unterschied. Das wurde mir damals bewusst. Egal, wo wir uns aufhalten, die Welt und wie wir sie wahrnehmen, wird vor allem durch eines manipuliert – Licht.


Das alltägliche Lichtspektakel

Bis vor wenigen Jahren war der Himmel über dem Ruhrgebiet fast immer bedeckt. Auch ein sonniger Tag im August konnte einem vorkommen wie ein diesiger Herbsttag. Der Lebensmittelpunkt meiner Familie war die Zeche Graf Moltke. Dort förderte man Kohle für die Eisenproduktion und der Kohlebau hatte nach fast 100 Jahren die gesamte Gegend verändert: Winters fuhren wir Schlitten an künstlichen Kohlelandschaften, die von Natur aus eigentlich flach waren.

Unser regelmäßiges Highlight war aber der Abstich: Wenn der Hochofen geöffnet wurde und das Roheisen ausfloss, saßen wir Grubenkinder auf dem Balkon und sahen zu, wie sich der Himmel verwandelte – mit den ersten Eisenflüssen entwickelte sich ein kräftiges Orange. Man hätte meinen können, da gehe eine zweite Sonne auf. Aber es war nur die Stahlindustrie, die in diese emissionskranke, schmutzige Luft so unglaublich viel Staub, Licht und Energie pumpte, dass der Himmel ein anderer wurde. Wie vielen anderen, die im Ruhrgebiet aufgewachsen sind, blieb mir der Geruch im Sinn und der Dreck: Kohleverbrennung und Koksherstellung erzeugten eine Feinstaubatmosphäre, mit der keine Großstadt heute konkurrieren kann – auch nicht die schmutzigste Ecke von Stuttgart.


Nur Kunst war schöner

Vor allem blieb mir aber das Licht in Erinnerung. Ich könnte heute noch den Orangeton auf einem Farbfächer zeigen. Seitdem habe ich keine größere und stärkere Lichtinstallation gesehen. Nur vergleichbar waren diese Abendstimmungen mit den berühmten Gemälden von Wiliam Turner (1815–1851). Er malte 1815 die grandiosesten Sonnenuntergänge, in denen die intensivsten Rottöne mischten.
Als ich seine Bilder kennenlernte und mich mit ihm beschäftigte, stieß ich gleich auf den Zusammenhang, in der seine Kunst steht. Es war keine verklärende und romantische Interpretation einer viel kälteren Gegenwart – Turner malte nur das, was er sah – wenn auch mit allergrößter Brillanz. Früher waren die Sonnenuntergänge nämlich tatsächlich schöner: Damals war der Tambora-Vulkan auf der Insel Sumbawa (Indonesien) ausgebrochen und diese größte aller Eruptionen verdunkelte den Himmel und schleuderte seinen Staub über die gesamte Erde. Die Folge waren Himmelstönungen in allen Farbvarianten.

Die Sonnenuntergänge, wie wir sie von Turner kennen, leuchten aber nur halb so stark und schön wie ein ganz normaler und alltäglicher Abstich in Duisburg oder Bochum. Dazwischen standen die brennenden Schornsteine, mit denen man schwer entflammbare Gase vernichtete. Wie riesige Fackeln sahen sie aus.


Kein Licht ohne Dunkel

Das Ruhrgebiet steht auch für das andere Extrem – die unglaubliche Dunkelheit, wie es sie nur im Bergbau gibt. Mein Vater, ein Bergbauingenieur der alten Schule, nahm mich einmal als Sechzehnjähriger mit unter Tage. Und dort habe ich diese unglaubliche Dunkelheit wahrgenommen, wie sie nur 1.000 Meter jenseits der Oberfläche erlebt werden kann.

Wir fuhren mit dem Fahrkorb runter, liefen eine ganze Weile, wurden auf Förderbändern transportiert, bis wir am Abbaubereich ankamen. Dann ging die Arbeit los: Ein Hobel fuhr unter gewaltigem Krach den Flöz entlang. Damit der Berg nicht einstürzte, platzierten die Kumpels Stempel unter dem abgebauten Bereich, die ihn mit Wasserdruck stützten. Brandgefährlich war diese Arbeit und knochenhart, 50 Kilo-Pakete transportierten die Männer aufs Förderband. Das alles bei 40 Grad, ohne jedes Wetter und bei hoher Luftfeuchtigkeit.

Extreme Bedingungen waren das zwischen Lärm, Hitze und vor allem Dunkelheit: Alles war hundertprozentig abhängig vom Licht, nur gab es keines. Da waren die speziellen Beleuchtungen und Grubenlichter mit großen Akkupacks, aber die Dunkelheit unter Tage blieb allerorts spürbar. Das Ruhrgebiet hatte den Himmel illuminiert – mit einer Energie, die es nur von der Sonne und von der Kohle gibt. Aber es war auch das Tor zu einer Welt, in der es kein natürliches Licht gab.


Unsere Lichtkultur

Der Mensch hat Licht kultiviert, so wie er Getreidepflanzen und anderes kultiviert hat. Deswegen passt der Begriff Kunstlicht auch sehr gut! Das Kunstlicht hat mindestens so viele Facetten wie das natürliche Licht. Und überhaupt gibt es eine unüberschaubare Masse an verschiedenen Lichtsituationen, seien sie zweckmäßig gestaltet, zufällig oder ästhetisch, natürlich oder künstlich! Wer einmal einen bewussten Blick aufs Licht entwickelt hat, wird ihn überall einsetzen.

Das kann im Ruhrgebiet sein oder – wie kürzlich bei mir – in Safi, Marokko. Ein Tonbrenner saß in seinem Haus und formte eine Tajine. Das gleisende Tageslicht fiel nur durch ein einziges Loch in der Lehmwand und beleuchtete die Arbeitsstätte. An der Decke hing eine einsame Glühlampe und warf nichts weiter als einen weiteren Schatten. Was für eine Atmosphäre, in der sich die gesamte arabische Lebensart widerspiegelt! Andererseits haben wir hier in der Wüstenstadt dieselbe Herausforderung vor Augen wie in Mitteleuropa: Wie balancieren wir Tages- und Kunstlicht, Energiebedarf und klimatische Anforderungen vernünftig aus? Wie gesagt, wer einmal einen Blick für Licht und Beleuchtung entwickelt hat, wird ihn nicht mehr los. Dann hat einen die Faszination Licht gepackt.


Lichtkonzepte für ein neues Bewusstsein für gutes Licht

Seit der Gladbecker Zechenzeit begleitet mich die Faszination des Lichts. Inzwischen trete ich seit über drei Jahrzehnten professionell für gutes Licht ein. Ich habe auch als Autor das Ziel, Menschen für gutes Licht zu sensibilisieren. Auch wenn es mir beim Schreiben immer um das Vorkommen und den Einsatz von gutem Licht geht, werde ich hier keine wissenschaftliche Erklärung liefern, was denn das Wesen von Licht sei. Zu dieser Frage gibt es andere, sehr informative Bücher (Bartenbach). Mir geht es darum, dass wir ohne diese körperlosen elektromagnetischen Strahlen nicht leben, mit ihrer Hilfe aber unsere Erlebniswelt gestalten können. Für mich stand immer diese Tatsache immer im Vordergrund – Licht bedeutet für uns Beziehung zu gestalten: Beziehung zwischen Körper und Wohlbefinden, zwischen den Menschen untereinander, zwischen Mensch und Umwelt, zwischen Mensch und Architektur.

Vielen Menschen könnte der optimale Einsatz von Tages- und Kunstlicht in ihrer je eigenen Lebenssituation helfen. Obwohl dieses Phänomen in Spezialistenkreisen bekannt und unbestritten ist, gibt es noch keine ausreichende Sensibilisierung, um gutes Licht flächendeckend umzusetzen. Jeder, der sich ernstzunehmend mit Lichtqualitäten in öffentlichen Gebäuden, Firmen und Privathaushalten beschäftigt, weiß, dass man die gängigen DIN-Normen ausweiten müsste, um den bestmöglichen Komfort abzuliefern. Hier bedarf es professioneller Lichtkonzepte, die auf die unterschiedlichen Räumlichkeiten zugeschnitten sind und die Tätigkeiten innerhalb optimal unterstützen.

Mit dem Thema Licht steht es aber so wie mit dem Licht selbst. Es ist nicht offensichtlich, eigentlich unsichtbar. Es ist da und wird nicht wahrgenommen. Außer man erlebt es in seinen Extremen der Farben oder Dunkelheit – wie im Ruhrgebiet. Licht ist aber der naheliegendste, oft sogar kostenlose und nachhaltigste Hebel, an dem man ansetzen kann, um positive Effekte in allen Lebensbereichen zu erzielen. Dies ist die wahre Faszination des Lichts. Und hier setzen wir bei der Erstellung eines Lichtkonzeptes an.

Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, was Lichtplanung eigentlich ist, lesen Sie auch gerne unseren Beitrag über den Weg zum idealen Lichtkonzept.

Um ein neues Bewusstsein für Licht zu wecken, dafür stehe ich morgens auf. Und wenn es sein muss, noch wenn es dunkel ist!