Was ist Lichtplanung?

Ein Foto mit Blick auf einen Raum, in welchem sich eine vom Tageslicht beleuchtete Couchecke befindet. Diese wird ergänzt durch eine Lampe und einen kleinen Tisch.

Was ist Lichtplanung?

(gekürzter Auszug aus dem Buch “Jeder Mensch hat das Recht auf gutes Licht” von Frank Nowicki)

Eine Alternative zum Norm-Mindeststandard

Wer beruflich mit Licht zu tun hat, kennt eine ganze Reihe von Normen. Für viele Menschen relevant: DIN EN 12193 für Sportstätten. Sie regelt, dass alle im Stadion gut sehen müssen, nicht geblendet werden dürfen und eine Fernsehübertragung möglich ist. Bei vielen Normierungsprozessen – so auch beim Einsatz von Tageslicht und Kunstlicht – wird eine Mindestanforderung formuliert. Besser geht immer, zumal dann, wenn es um Licht geht. Wer für die Lichtanlage zu Hause, in öffentlichen Gebäuden oder Büros einen Elektroplaner anstellt, wird mit seinem Bauprojekt einen Mindeststandard erfüllen können: Der Elektroplaner entwirft ein rein funktionales Konzept, achtet darauf, dass die geltenden (DIN-)Normen eingehalten werden. Er sorgt für eine energieeffiziente und sichere Elektroinstallation, schließlich betrachtet er Gebäude auf elektrotechnische Weise.

Über den Mindeststandard hinaus

Ich als Betrachter des Lichts bin der Überzeugung, dass hier mehr herauszuholen ist als der Mindeststandard und wir eine komplementäre Betrachtung benötigen, um das Potenzial von Licht auszuschöpfen. Unser Lichtplanungsteam ergänzt die technische Seite durch Fragen der biologischen, psychologischen und emotionalen Lichtwirkung. Die Erfahrung hat gezeigt, das dabei die minimale Norm weit überschritten werden muss, um den Anforderungen der Bauherren und Baunutzer gerecht zu werden.

Worauf kommt es an bei gutem Licht?

Für die Menschen ist die Anlehnung an den Tagesrhythmus von herausragender Bedeutung. Wer die Tagesgestaltung mit einbezieht, plant nicht nur energetisch und funktional, sondern stärkt auch die Tagesstruktur. Der Effekt: Licht fördert Wohlbefinden, kann aktivierend und belebend sein, oder beruhigen und den Organismus herunterfahren lassen. Bei der Tageslichtplanung gehe ich selbst immer vom Tageslicht aus: Wie wird das Licht in die Räume geleitet? Wo kann Kunstlicht eingesetzt werden, um die Bewohner mit ausreichend Licht zu versorgen? Viele dieser Arbeitsschritte können nur ansatzweise standardisiert werden. Ich empfehle jedem, der nach gutem Licht sucht, für sich selbst zu formulieren, auf was es ihm ankommt:

  • Welche Arbeit wird in dem Gebäude geleistet und zu welcher Tageszeit?
  • Welche Technik setze ich dort ein?
  • Wie ist der Raum beschaffen und wird sich in absehbarer Zeit verändern?
  • Gibt es feste Arbeitsplätze oder ist der Raum dynamisch angelegt?

Das Rezept für gutes Licht

Es gibt ein einfaches Rezept, um an gutes Licht zu kommen. Licht und Helligkeit sind nur im Zusammenspiel mit den Menschen und ihrer Lebens- und Arbeitswelt sinnvoll. Deswegen steht der Mensch bei einer zeitgemäßen Lichtplanung immer im Zentrum. Wenn es uns gelingt, für persönliche Anforderungen eine eigene Lichtwelt zu erschaffen, nenne ich das Licht in Vollendung!
Welchen übergeordneten Maßstab setzen wir dann für gutes Licht an? Nicht nur ich, sondern auch andere Unternehmen wünschen sich ein Gütesiegel, auf das sich Menschen verlassen können. Die Struktur eines solchen Siegels wäre zu erarbeiten und müsste auf den Schultern der aktuellen Entwicklung stehen. Für viele Unternehmen, Büros, Hotels, Tagesstätten, Schulen oder Pflegeeinrichtungen wäre es ein wahrer Gewinn, wenn man die Menschen auf die gute Lichtqualität gesondert aufmerksam machen könnte. Überall dort, wo noch kein Tag-Nacht-Rhythmus berücksichtigt wird, könnte man diesen Schritt auf eine neue Qualitätsstufe mit einem Gütesiegel leichter kommunizieren.

Ein Gütesiegel mit Qualitätsversprechen

Wie überall, wenn Qualitätserwartungen wachsen, kann ein Konzept für gutes Licht nur gelingen, wenn Produzenten und Verbraucher an einem Strang ziehen. Die positive Wirkung von Licht spricht für sich und braucht keine politische Lobby. Wir haben es in vielen Branchen erlebt, welche Effekte ein kommuniziertes Gütesiegel haben kann. Bei Kinderspielzeug (z.B. spiel gut e.V.) oder in der biodynamischen Landwirtschaft (z.B. Bioland) strahlen solche Siegel ein hohes Maß an Verlässlichkeit und Verbindlichkeit aus. Und darum geht es auch bei gutem Licht. Der Einsatz und das Zusammenspiel von Tages- und Kunstlicht unter Berücksichtigung aller Ansprüche und Möglichkeiten ist kaum zu überblicken, sofern man sich nicht intensiv mit diesem Thema beschäftigt hat. So kann ein Gütesiegel für gutes Licht weit über den DIN-Mindeststandard hinaus allen Menschen helfen, ein intuitives Gespür dafür zu bekommen, was der eigenen Gesundheit und dem Wohlbefinden guttut.

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